Norge på langs – was ist das eigentlich

Als Norge på langs, oder zu deutsch Norwegen der Länge, wird eine Fernwanderung in Norwegen bezeichnet. Ähnlich dem Pacific Crest Trail, Appalachian Trail, E1 oder dem Te Araroa Trail, jedoch nicht als zusammenhängendes markiertes Wegstück. Ebenso gibt es keinen festgelegten Start- oder Zielpunkt. Auch ist das Start-/Zieldatum recht dehnbar. Denn NPL kann im Sommer wie auch im Winter gegangen werden.

Klassische Startpunkte sind das Kap Lindesnes im Süden, das Nordkapp oder die Landzunge Knivskjelodden auf der Insel Magerøya, Kinnarodden oder Slettnes Fyr auf der Nordkinnhalbinsel. Aber auch entlang der schwedischen Grenze, von Halden bei Oslo nach Jacobslev an der russischen Grenze, kann man laufen. Auch eine Wintertour mit Ski oder eine Winter/Sommertour wird oft begangen. Die Entfernung vom Start- zum Zielpunkt beträgt je nach gewählter Route ca. 2500 – 3000 km.

Nordkapp, Kinnarodden und Slettnes Fyr
Kap Lindesnes
Nordkapp mit Nordkappglobus
Slettnes Fyr auf der Nordkinnhalbinsel

Die meisten Wanderer, die in Lindesnes starten, laufen in etwa um Mitte Mai herum los. Ab diesem Zeitpunkt ist der Schnee im Süden in der Regel soweit abgeschmolzen, dass nach den ersten Wandertagen bereits ein Abstecher ins Fjell gemacht werden kann.

Routen wären hierbei die Setesdal Vesthei, die man bei Ljosland Fjellstove betritt, oder die etwas weiter östlich gelegene Setesdal Austhei. Diese wird oft ab der Ortschaft Dølemo begangen. Oft wird die Austhei priorisiert, da man über diesen Weg zügiger in Richtung Rjukan und östliche Hardangervidda kommt. Über die Vesthei gelangt man mehr oder weniger in gerader Linie nach Haukeliseter und zum Einfallstor in die westliche Hardangervidda. Doch sollte man in diesem Gebiet noch mit mehr Schnee rechnen als auf der östlichen Route.

Ljosland Fjellstove ist seit 2025 dauerhaft geschlossen. Der daneben liegende Minimarkt hat offenbar auch geschlossen. Somit steht als Einkaufsmöglichkeit der Coop Prix Åseral in Kirkjebygda zur Verfügung. Hier aber bitte Aufpassen! Denn der Google Maps Standort stimmt nicht. Der Coop ist an der Fv352 bei der Post gelegen.

Die beiden Varianten im Süden (Lindesnes – Ljosland, oder Lindesnes – Dølemo)

Im Süden Norwegens kann man seine Route noch recht frei konfigurieren. Das ändert sich spätestens ab der Höhe Trondheim/Røros. Hier wird das Land schmaler und man wird nun auf eine mehr oder weniger fest definierte Route durch die geografischen Gegebenheiten des Landes gezwungen. So verläuft nun die Route durch Skarvan og Roltdalen, Skjækerfjella, Blåfjella, Børgefjell, Saltfjell und dann auf die schwedische Seite über den Padjelantaleden und Kungsleden.

Hinter dem Børgefjell kann man nun auch, wenn man es mit Norge på langs nicht zu ernst nimmt, auf die schwedische Seite nach Hemavan wechseln und dem Kungsleden nordwärts folgen.

Der Grund für den Wechsel auf die schwedische Seite liegt an der Breite des Landes. Wer nun weiter durch Norwegen wandert, sieht sich unweigerlich mit der Tatsache konfrontiert, entlang der Europastraße 6 zu laufen oder durch den weglosen und recht schroffen Rago-Nationalpark zu wandern. Daher ist der Abstecher über Schweden nach Abisko für viele die Alternative, wobei sie auch landschaftlich einiges zu bieten hat.

Über Abisko gelangt man nun in den Dividalen-Nationalpark. Für mich damals einer der schönsten Fleckchen auf der gesamten Wanderung. Am Ende des Dividalen-Nationalparks macht man noch einen Zwischenstopp am Dreiländereck Norwegen, Schweden und Finnland, dem Treriksröset. Finnland durchquert man je nach Tempo in zwei bis drei Tagen.

Treriksröset bei Kilpisjärvi

Hinter Finnland schließt dann der Reisa Nationalpark mit dem Reisadalen an, einem sehr eindrucksvollen Canyon mit der Reisaelva. In das Reisadalen kann man via dem DNT-Wanderweg absteigen, oder man sucht sich eine weglose Route hinunter in Richtung der Nedrefosshytta des DNT.

Die Nedrefosshytta gehört mittlerweile zu den DNT Hütten, die im Vorfeld online gebucht werden müssen um einen Zahlencode für das Türschloss zu bekommen. Die Buchung erfolgt über die Seite ut.no.

Mittlerweile hält nun der Herbst in Norwegen Einzug, und man sollte nun sehr gut das Wetter im Auge behalten. Einsetzender Schneefall ist keine Seltenheit. Je nach Witterung sind nun die Routen heraus aus dem Reisadalen nach Storslett oder südwärts nach Kautokeino möglich. Mit Kautokeino läuft man über Mazi nach Alta nochmals einen großen Bogen um das Nabarplateau herum. Nach Storslett hinaus kommt man wieder auf die Europastraße 6, die einen nach Alta führt. Die dritte Option und die kürzeste führt einen auf direktem Weg aus dem Reisadalen hinauf auf das Nabar und nach Alta.

Mit Alta erreicht man nun auch die letzte größere Stadt auf seiner Wanderung. Wie schon erwähnt, kann nun der Winter Einzug halten. Daher kommen auf diesem letzten Abschnitt nur noch die Optionen über die E6 durch das Sennalandet nach Skaidi und Olderfjord oder durch den Stabbursdalen Nationalpark in Frage.

Hinter Olderfjord schließt dann nochmals ein Stück Wanderweg bis zum Nordkapptunnel an, oder man folgt der Straße entlang der Küste.

Zu guter Letzt folgt der Weg durch den Nordkapptunnel, der das norwegische Festland mit der Insel Magerøya, auf der das Nordkapp liegt, verbindet.

Norge på langs als Langdistanzwanderung ist mit den zuvor genannten Fernwanderwegen nicht zu vergleichen. Im Jahr laufen zwischen 30-50 Wanderer auf vier Jahreszeiten verteilt diese Strecke. Auch hat sich über die Jahre gezeigt, dass die Strecke in 110-140 Tagen zu schaffen ist.

Dann ist noch die große Frage der Lebensmittelversorgung. So manch einer schickt sich zu festgelegten Punkten Proviantpakete voraus. Das habe ich auch so getan. Einziger Wermutstropfen dabei ist, dass man seine Route dann nicht wirklich abändern kann, um einen anderen Weg einzuschlagen.

Würde ich heute noch einmal Norwegen zu Fuß durchqueren, würde ich auf das Versenden von Depots verzichten oder mir evtl. nur eines oder zwei für die recht abgelegenen Abschnitte bereitstellen. Wirklich nötig ist es jedoch nicht. Ist im Süden die Infrastruktur gegeben, alle paar Tage gut einkaufen zu können. Und auch im äußersten Norden Norwegens kann man mit etwas Planung einen Abstecher zu den Supermärkten machen, um alles Nötige zu bekommen.

Mittlerweile gibt es nun auch im deutschsprachigen Raum zwei Bücher, die das Thema Norge på langs behandeln und einen guten Einblick in den Wanderalltag geben.

Das eine Buch ist von Simon Michalowicz (simonpatur.de), Norwegen der Länge nach. Simon ist 2013 und 2018 NPL gelaufen.

Das andere Buch Schritt für Schritt Nordwärts, ist von Martin Kettler (norgepalangs2013.com) aus der Schweiz. Martin ist NPL 2013 und 2015 in zwei Teilstücken von Süd nach Nord und 2024 von Nord nach Süd am Stück gelaufen.


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2 Gedanken zu “Norge på langs – was ist das eigentlich

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