Herbstwanderung im Femundsmarka Nationalpark – Teil 1

An unserem Fenster gleiten die Häuser am Rande des Oslofjords vorbei. Ich mag diese Aussicht und frage mich jedes Mal was hier wohl so ein Häuschen kostet. Wahrscheinlich einfach zu viel. Dennoch mag ich diese Aussicht vom Bordrestaurant der Color Magic, oder Fantasy. Den beiden Fähren die Kiel und Oslo miteinander verbinden. Mit der Fähre ist es immer eine sehr entspannte An und Abreise. Man geht am Mittag an Bord, hat über Nacht seine Kabine und am morgen kommt man ausgeruht und gestärkt in Oslo an.

Durch Corona ist alles ein wenig anders und man hat zwar an Bord mit Ausnahme der Restaurants immer eine Maske auf und desinfiziert sich die Hände zu Tode, aber trotzdem genießen wir unsere Fahrt.

Pünktlich um 10 Uhr legt die Magic im Hafen von Oslo an und das Ausschiffen beginnt. Durch Corona wird nach Deck ausgeschifft und man muss bis man dran ist in der Kabine warten. Das ist auch gar nicht mal so schlimm, steht man dann nicht die ganze Zeit mit einem 25 kg Rucksack in der Gegend herum. Dann sind wir dran. Wir verlassen das Schiff und stehen schlagartig auf der Gangway im Stau. Eine Riesen Schlange ist hier und wir stehen dicht geknubbelt, es geht nur sehr zäh voran und wir fragen uns warum. Nach fast einer Dreiviertelstunde sehen wir dann auch warum. Vor dem Gebäude ist ein Zelt durch das man durchgelotst wird. Dennoch läuft für uns die Zeit. Wir müssen noch zum DNT rein. Wir benötigen noch Turmat und ne Karte von der Femundsmarka. Nadine benötigt für ihren Osprey noch ein Raincover und in den Supermarkt müssen wir auch noch rein. Und um 12.30 geht der Zug nach Hamar. Das wird ne verdammt knappe Kiste denke ich mir.

Ich finde, die Femundsmarka führt unter ausländischen Wanderern ein Stiefkind Dasein. Anders als bei der Hardangervidda, oder dem Rondane Nationalpark hält der Zug nicht direkt vor der Haustüre, sondern man muss die Anreise etwas planen. Aber andersrum ist die Anreise hier her sehr einfach. Wir sind jetzt mit der Vy, der norwegischen Eisenbahn, bis Hamar gefahren und dann mit dem Innlandstraffik bis Femundtunet. Die Anreise hat gerade einmal fünf Stunden gedauert. Aber man kann auch sehr bequem von Oslo oder von Trondheim direkt bis Røros fahren. Direkt neben dem Bahnhof liegt die Skysstasjon, der Busbahnhof. Von hier fährt der Bus 5406 von atb.no innerhalb einer guten halben Stunde hinunter zur Synnervika, wo auch das Fährschiff Fæmund 2 anlegt. Von Synnervika fährt das Schiff von Juli bis September 7 Stopps entlang des Femunden an. Zum Planen der Tour kann man wie immer die Online Plattform ut.no zur Hilfe nehmen. Und wer bisher noch nicht in der Femundsmarka wandern war, verpasst wirklich eines von Norwegens landschaftlichen Filetstücken. Nicht nur ist hier von dichten Wäldern und kahlen Hochflächen alles drin. Man bekommt mit Røros und seinen Erzvorkommen und der einhergehenden Geschichte zur Holzwirtschaft und dem Bergbau noch jede Menge Wissen und Kultur eingetrichtert. Ich freue mich für meinen Teil jedes Mal aufs neue wenn ich in die Nähe von Røros komme, aber das werdet ihr noch später sehen.

Knapp wird’s, aber wir kommen irgendwann durch den Corona Checkin und flitzen mit unseren 18 und 25 kg Schwerlastern durch Aker Brugge zum DNT, dann noch fix in einen XXL Und dann geht es rüberzulaufen Bahnhof in den Coop und zum Bahnsteig. Wir stehen noch 10 Minuten am Bahnsteig, da fährt auch unser Zug ein. Wir fahren bis Hamar und steigen dort in den Innlandstraffik Bus 105 nach Elverum um. In Elverum müssen wir dann nochmals umsteigen und nehmen den Bus 150 nach Femundtunet. Insgesamt dauert die Fahrt von Oslo nach Femundtunet fünf Stunden. Um 17.30 Uhr hält unser Bus vor der Hotel und Camping Anlage. Eigentlich wollten wir ja irgendwo am Strand des Femunden das Zelt hinstellen und die Aussicht genießen, aber jetzt gerade sind wir irgendwie müde und es geht eine kalte steife Brise und das Hotel schaut doch verlockend aus. Wir buchen uns ein Zimmer für stolze 180€ und checken ein. Wir sind die einzigen Gäste im Hotel. Auf dem dem Campingplatz nebenan steht noch ein Wohnmobil. Das Zimmer haut uns aus den Latschen, als wir die Tür öffnen. Hier können wir die Nacht auf jeden Fall genießen. Wir packen die Rucksäcke noch etwas um und verstauen unsere Einkäufe, dann geht es noch etwas hinunter an den See.

Am Morgen wird genüsslich gefrühstückt. Kaum zu glauben das all die guten Dinge auf dem Tisch nur für uns zwei sind. gut gestärkt geht es dann an die erste Tagesetappe. Wir folgen dem Wanderweg am Strand des Femunden entlang durch Kiefernwald. Wir sind noch keine zehn Minuten unterwegs, da stehen auch schon die ersten Rentiere in etwas Entfernung zu uns. Nadine ist sofort begeistert und bewegt sich kein Stück mehr und muss diese schönen Tiere lange bestaunen.

Es geht immer entlang des Ufers. Durch den Wald sind wir etwas vor dem stürmischen Wind geschützt der immer noch anhält und auch noch ein paar Tage andauern soll. Dennoch macht es Spass hier auf dem weichen Boden und mit dieser Aussicht zu laufen und wir genießen jeden Schritt. Endlich wieder in Norwegen auf langer Tour!

Nach gut zwei Kilometern treffen wir bei Dalsvika auf den Femundveien und den dahinter liegenden DNT Wanderweg, der über einen Wirtschaftsweg führt. Diesem folgen wir bis zu einer Anlage der Sami. Hier führt der Weg in einem Bogen drum herum. Nach ein paar Kilometern überqueren wir bei Elvheim die Sorka. Nach weiteren anderthalb Kilometern stehen wir nun wieder auf dem Femundveien. Hier machen wir eine kurze Rast und schauen uns den weiteren Weg auf der Karte an. Eigentlich war geplant dem Wanderweg noch weiter bis vor den Sorkvola zu folgen und dann dort irgendwo das Lager aufzuschlagen. Jedoch haben wir auf den letzten Kilometern schon festgestellt, wie steinig das Gelände und sumpfig das Gelände ist und so beschließen wir den Sorkvola zu umgehen und dem Femundveien hoch bis Småsjøvollen zu folgen. Dort würden wir dann wieder auf den Wanderweg stoßen und uns einen Lagerplatz suchen. So laufen wir erstmal recht monoton der Strasse bis hinauf zum Store Sorksjøen nach, wo wir eine Pause machen und ich mich endlich mal wieder am angeln versuche. Aber leider will nichts anbeissen.

Wir stiefeln recht monoton der Strasse nach immer bergan und der dichte Wald weicht langsam einer weiten Sumpflandschaft. Endlich haben wir dann am späten Nachmittag den Anstieg hinter uns gebracht und wir können hinunter nach Småsjøvollen schauen. Wir machen noch einmal eine Rast, sammeln unsere Reserven und machen uns auf den Weg hinunter zum DNT Wanderweg. Ein Stück hinter der Småsjøelva finden wir an einem kleinen See gelegen einen Lagerplatz.

Wir bauen unser Zelt auf und kochen zu Abend. Lange halten wir es jedoch nicht draussen aus. Der Wind nimmt langsam aber sicher an Intensität zu und ich muss das Zelt noch zusätzlich an der Apsis abspannen. In der Nach habe ich mehrmals das Gefühl gleich bricht das Zelt zusammen, so stürmt es. Aber unser Exped hält. Der nächste morgen ist absolut windstill und wir genießen bei Kaffee und Müsli die kalte und klare Luft. Dann machen wir uns langsam auf den Weg in Richtung Valdalen Gård. Wir folgen nicht direkt dem Wanderweg nach Søndre Elgådalen, sonder laufen noch ein Stück dem Femundveien nach, bis wir auf eine Schotterpiste entlang des Fjellgutusjøenstoßen. Das laufen macht wieder einen Riesen Spass und wir möchten gerade nirgendwo anders sein. Leider nimmt aber der Wind auch schon wieder zu und als wir an einem Shelter am Fjellgutusjøen kommen, sind wir froh das wir uns im Windschatten des Shelters ein wenig verstecken können.

Im Schatten des Shelters machen wir ein wenig Pause und wärmen unsere Eiskalten Hände auf. Dann geht es weiter entlang der Strasse, bis wir wieder auf den Wanderweg treffen. Es geht wieder durch dichten Kiefernwald und nach ein paar Kilometern stehen wir auf einer Lichtung und Rätseln wegen der ganzen roten Markierungen. Hier kurz vor Valdalen treffen offenbar mehrere alte Markierungen auf mehrere neue. Aber irgendwann haben wir es und rutschen einen Hang hinunter und laufen an einem Weidezaun entlang. Dann stehen wir auch schon mitten auf dem Gehöft. Wir hatten eigentlich gehofft hier einen Kaffee trinken zu können, aber leider gibt es hier kein Café. Also gehen wir weiter hoch zur Strasse und folgen einem Wirtschaftsweg den Berg hinauf. An einer riesigen alten Kiefer machen wir eine Pause und genießen es wieder aus dem kalten Wind heraus zu sein. So im Windschatten und der Sonne ist es ein richtig schöner Tag.

Wir arbeiten uns nach der Pause den Berg hinauf zum Store Lifjellet. Hier wollen wir schauen ob wir irgendwo einen schönen Lagerplatz für die Nacht finden. Unser Weg führt uns einlang eines Rentierzaunes und nach einigen Metern finden wir auch den Weg hindurch. Aber erstmal suchen wir unter einer Birke Deckung. Wie aus dem Nichts kommt ein Schneeschauer durchgezogen.

Bei Valdalen steht eine Infotafel zum Femundsmarka Nationalpark, die wir uns durchlesen. Auf dieser heißt es, das es in der Femundsmarka und im Nationalpark, den man hier betritt, schöne Lagerplätze gibt. Diese liegen aber teilweise weit auseinander und man solle gegebenenfalls fürhzeit nach einem Lagerplatz suchen. Nach unserer Wanderung Richtung Røros können wir das so bestätigen. Es gibt wirklich viele schöne Plätze wo man das Zelt hinstellen kann, aber sie liegen Teilweise sehr weit auseinander und dementsprechend sollten nicht ganz so erfahrene Wanderer sich lieber schon frühzeitig nach einem Ort umschauen wo sie ihr Lager aufschlagen möchten.

Nach ein paar Minuten ist er auch schon durchgezogen und die Sicht nach Süden hin klart wieder auf. Schauer wie diese begleiten uns noch einige Zeit. Der Himmel ist strahlend blau und auf einmal kommt so ein kleiner Wintereinbruch vorbei. Unsere Laune trübt das nicht und wir laufen weiter. Von der Seite des Store Lifjell hat man eine fantastische Sicht über die südliche Femundsmarka und über die Landschaft treiben vereinzelte Schauer dahin. Was für ein Anblick. Einen guten Kilometer hinter dem Store Lifjell finden wir an einem Bach einen perfekten Lagerplatz für die Nacht. Das Gelände zum Bach ist in Terrassen angeordnet und bietet somit auch Platz vor dem böigen Wind. Hier stellen wir das Zelt auf. Wir haben gerade aufgebaut und die Sachen rein geräumt, da kommt schon wieder ein dicker Guss vorbei. Dieses Mal können wir das jedoch in unseren kleinem Bunker aussitzen.

Am Abend sitzen wir mit einer heißen Schokolade in der Hand auf einer Terrasse am Bach und schauen hinunter ins Tal. Dort unten muss laut Karte die Fjällstation Grövelsjön liegen.

In der Nach bekommen wir den ersten Frost und in meiner blauen Raupe wird es doch ein wenig frisch. Gut das ich noch ein Inlett dabei habe. Damit lässt es sich aushalten. Nadine hat keine Probleme mit der kalten Nacht. Sie hat meinen NPL Schlafsack übernommen, der ja noch einige Grad mehr Kälte ab kann.

Am Morgen erzählt sie mir wie stürmisch die Nach doch war und ein paar mal war sie doch versucht mich zu wecken, weil sie dachte gleich bricht das Zelt zusammen, so rollten die Böen über das Zelt hinweg. Ich muss zugeben, ich hatte mir Abends Oropax in die Ohren gesteckt und nichts davon mitbekommen. Als ich das Zelt öffne traue ich einen Augen kaum. Es ist un unfassbar schöner Tag mit einem strahlend blauen Himmel und vor allem, es ist Windstill.

Im Tal liegt der See und die Fjällstation Grövelsjön

Wir frühstücken und packen zusammen. Dann geht es als erstes an den Anstieg hinter dem Zelt. Obwohl es noch recht frisch ist, kommen wir bei dem Anstieg gut ins schwitzen und sind froh diesen gemeinen Hügel jetzt hinter uns zu haben. Bis zur Siedlung Ryvang geht es jetzt nur noch eben und Abschüssig voran. Aber erstmal machen wir kurz Rast, trinken einen Schluck und genießen die Aussicht. In der Ferne kann man schon den Europa Fernwanderweg 1 sehen, wie er sich aus dem Tal von Grövelsjön hinauf zieht. Breit ist er wie eine Autobahn und genau so läuft er sich auch. Nach gut zwanzig Minuten passieren wir den Wegweiser und stehen mitten drauf auf der Spur. Es hat auch Vorteile, wir kommen so schnell voran und können bald schon hinunter zum See nach Ryvang blicken wo wir hin wollen.

Blick zurück zum Lagerplatz. Nadine quält sich noch den Hügel hoch

Nun geht es abwärts ins Tal und der Weg ist leicht Spassbefreit. Dicke Felsblöcke liegen im Weg und es geht drüber, durch, oder drum herum. Aber es geht eben nur im Schneckentempo, da es ja auch noch gut Abschüssig ist. Irgendwann wird es dann besser als wir die Baumgrenze passieren und das Gelände wird ebener, weniger steinig und überall gibt es Preisel und Heidelbeeren die genascht werden wollen.

Im Fjell wächst aber nicht nur die klassische Heidelbeere. Es gibt noch Unterarten, die jedoch auch essbar sind. Eine davon ist zum Beispiel die Rauschbeere oder Trunkelbeere. Sie gehört zu den Heidelbeeren. Ich finde sie vom Geschmack nicht so süß wie Heidelbeeren und von der Konsistenz etwas mehlig. Im Schmecken tun sie aber. Unterscheiden kann man die Heidelbeere von der Rauschbeere gut anhand der Blätter. Die Form ist bei der Rauschbeere etwas anders und im Herbst verfärbt sich die Heidelbeere ins rot. Unten gibt es dann noch Fotos. Zur Bestimmung der Pflanzen habe ich auf dem Smartphone übrigens die App Flora Incognita. Da man die meiste Zeit Netzabdeckung hat, funktioniert sie super und ansonsten macht man ein Foto von der Pflanze die man bestimmen will und wartet bis man irgendwann wieder Empfang hat.

Kurz nach dem Abstieg stehen wie auch schon vor dem Wegweiser und der Brücke über die Grøvelåa. Wir folgen noch ein Stück dem DNT Wanderweg nach Sylen. Kurz vor dem Gehöft wechseln wir nach rechts auf einen unmarkierten Pfad. Wir wollen nicht weiter dem markierten DNT Weg nach Svukuriset folgen, sondern die nächsten Tage entlang der schwedischen Grenze durch das Grøtådalen wandern. Der Pfad schlängelt sich durch dichten Birkenwald bis zu einer kleinen Brücke über die Røa. Hier wollen kurz Pause machen. Aber aus kurz wird über eine Stunde. Wir genießen die warme Sonne und dieses super Wetter. Irgendwann müssen wir halt weiter und schmmeißen uns wieder in die Schuhe und schultern die Rucksäcke. Es geht weiter bergauf durch Birkenwald, der auf einmal immer spärlicher wird und auf einmal steht man wieder im Kahlfjell. Wir staunen doch jedes mal aufs neue wie niedrig doch die Baumgrenze in Skandinavien ist. Auch dieser Kontrast von dichten Wald und dicht bewachsenen Waldboden und auf einmal nur noch Heidekraut und Fels.

Wir stehen direkt an der Flanke des Grøtogna, an dem wir jetzt die nächste Zeit entlang laufen werden. Zu unserer rechten kann man in der Landschaft einen dieser hässlichen gelben Grenzkerne sehen, die die Grenze zu Schweden markieren. So geht es nun immer weiter in das Grøtådalen hinein und wir stauen über diese Landschaft die uns hier gerade geboten wird. Nach einiger Zeit kommt dann auch die Grøtåa in Sicht und wir fangen langsam an uns nach einem Lagerplatz umzusehen. Lange müssen wir nicht suchen. Etwas abseits des Weges finden wir eine schöne Stelle in der Nähe des Flusses. Es gibt zwischen den Birken und Wacholdersträuchern auch eine Feuerstelle.

Wir legen in unserem typischen Rythmus los. Ich baue das Zelt auf und Nadine pumpt die Isomatten auf. Sobald das Zelt steht, packt Nadine alles hinein was zum schlafen benötigt wird und ich kümmere mich darum die Outdoorküche startklar zu machen. Danach wird Holz für die Feuerstelle gesammelt und wir entfachen ein kleines Feuer. Ich versuche mich dann noch am Fang einer Forelle. Was mir auch auf Anhieb gelingt. Der Blinker berührt kaum das Wasser, da beißt auch schon ein Fisch an. Meine Vermutung ist ja, das ich dem Fisch den Blinker auf den Kopf geworfen habe, worauf er sich so erschrocken hat, das er zugebissen hat. So oder so, die Forelle hängt am Haken und wandert alsbald in die Pfanne. Das ist eine schöne Ergänzung zu unserer Trekkingnahrung. Den Abend lassen wir mit einem schlückchen Single Malt ausklingen und beobachten wie langsam die Sterne am Himmel erscheinen.

Das erste Lager im Grøtådalen steht

Der kommende Tag beginnt genau so gut wie der letzte. Wieder wird es traumhaft und wir laufen nach direkt nach dem Frühstück los. Angepeilt ist heute grob Grøtådalsætra. Wir laufen durch leicht hügeliges Gelände, immer entlang des kleinen Flusses und immer mit fantastischer Aussicht. So bringen wir Kilometer um Kilometer hinter uns. Nur in der Nähe des Stormytjønnan verlieren wir den Weg aus den Augen und müssen etwas suchen. Hier geht irgendwo eine Brücke über den Fluss und genau hier verpassen wir den richtigen Pfad und stehen einen guten halben Kilometer unterhalb der Brücke. Es geht das Stück weglos entlang der Grøtåa und dann über die Brücke. Als wir diese passiert haben, geht es den ganzen Weg wieder hinunter dem Fluss entlang. und wieder hinein in dichten Wald. An einem Lagerplatz direkt am Fluss machen wir unsere erste Pause und ziehen die Schuhe aus.

Der Weg führt uns weiter durch eine leicht hügelige und bewaldete Landschaft und dann stehen wir vor einem Hang hinunter zu einem Myr. Dort führt mitten durch ein Bohlenweg. Der kommt uns wie gelegen. Da würden wir nicht so durch laufen wollen. Auf halben Wege begegnen wir einer jungen Norwegerin. Wir kommen sofort ins Gespräch. Denn ist es schon aufgefallen? Dies ist unsere erste Begegnung mit einem Menschen seitdem wir losgelaufen sind. Das Mädel schaut genauso verdutzt wie wir und wir kommen sofort ins Gespräch. Eine gute halbe Stunde stehen wir da so rum und unterhalten uns überdas wandern und auch wie verlassen diese Gegend hier ist. Dann trennen sich unsere Wege wieder. Wir laufen den Hügel am Ende des Myrs hinauf und folgen dem Weg bis zur einer Brücke über die Grøtåa. Die Brücken hier sind alle etwas abenteuerlich und wir sind beide froh das wir bisher noch nicht in den Fluss gefallen sind. Auf der anderen Seite machen wir noch einmal kurz Pause und rätseln welchen der drei Wege wir hier wohl nehmen sollen. Auf der Karte ist nur einer eingezeichnet. Wir folgen einem der gut ausgetreten ist und laufen ihm nach. Nach einigen hundert Metern stehen wir vor einem See und der Weg endet ein Stück weiter links. Tja Sackgasse. Das war der falsche Pfad. Ich schmeiß das GPs an und vergleiche die Wege auf der Topo mit der Wanderkarte. Auf dem GPS ist der Weg eingezeichnet dem wir gefolgt sind und auch der richtige. Dieser führte an der Brücke einen kleinen Hügel hinauf und verschwand im Dickicht. Jetzt das Stück zurück laufen, darauf haben wir keine Lust. Der richtige Weg liegt Luftlinie gut 250 Meter voraus. Wir müssen nur querfeld laufen. Das machen wir dann auch und siehe da, kurze Zeit später stehen wir auf dem Wanderweg. Kurz vor Grøtådalsætra müssen wir noch einen Flusslauf furten und dann macht der Weg einen Schlenker vorbei an einem kleinen See und durch ein Myr. Hier ist wieder Rätselraten angesagt. Denn den Weg finden wir in diesem Supf nicht auf Anhieb. Ich laufe vor und suche einen Weg und Nadine folgt mit etwas Abstand für den Fall das ich wieder umkehre. Es dauert ein wenig, aber dann stehen wir auf der anderen Seite des Myrs. Dann krabbeln wir noch über einen größeren Hügel hinweg und laufen hinunter zu der Sæter. Hier bleiben wollen wir allerdings nicht. Wir haben noch gut zwei Stunden Tageslicht und wollen noch ein Stück weiter bis zu einer Weggabelung etwa einen halben Kilometer entfernt. Die Strecke ist schnell zurück gelegt und an der Weggabelung finden wir oberhalb der Grøtåa einen perfekten Spot im Schatten des Stor Svuku. Hier wollen wir bleiben und die Nacht verbringen. Wir spulen wieder das selbe Prozedere herunter wie immer und Ruck Zuck steht unser Lager und auch ein Feuer ist bald wieder entfacht. Nadine geht noch Brennholz sammeln und ich gehe runter zum Fluss. Mal sehen ob ich was fange. Leider Fehlanzeige. Dafür könnte ich ja mal ein Bad nehmen denke ich mir. Die letzte Dusche ist ein paar Tage her und so ein Bad im Fluss hört sich doch verlockend an. Also schnell das Duschzeug geholt und rein in die kühlen Fluten. Als Nadine mich da unten im Fluss sieht, traut sie ihren Augen nicht. Dann zeigt sie mir einen Vogel und fragt ob das Wasser nicht kalt sein. Es genügt eine kleine Geste von mir. Lange halte ich es aber auch nicht mehr im Fluss aus und ich gehe hoch mich am Feuer aufwärmen.

Der kommende Tag beginnt nicht so schön. Nebel hängt in der Luft und verdeckt den Stor Svuku. Wir frühstücken vorm wärmenden Feuer und lassen den Tag ganz entspannt beginnen. Als wir um neun dann los laufen, fängt es auch bereits an aufzuklaren. Es geht immer bergauf entlang des Stor Svuku und langsam weichen die Birken einer trostlosen Geröll Landschaft. Dafür ist die Aussicht die wir haben wieder fantastisch und wir können bis weit hinter den Femundsee zum Viglen schauen. Mittlerweile hat es auch aufgeklar und die Sonne kommt zum Vorschein. Da macht das laufen gleich doppelt Spass.

Am Mittag erreichen wir Oasen und hier ist der Name wirklich Programm. Inmitten dieser Gerölwüste liegt ein kleiner See, umgeben von Birken und einem kleinen Zulauf. Rentiere beäugen uns misstrauisch und halten gebührenden Abstand. Aber die Neugier siegt bei Ihnen und immer wieder laufen sie an uns vorbei um zu schauen was sich da ins Gras gesetzt hat und was diese Dinger da machen. Wir für unseren Teil genießen die Aussicht und machen erst einmal Kaffeepause.

Wir machen uns wieder auf den Weg, lassen die Rentiere in Ruhe und suchen unseren Weg inmitten dieser Geröllwüste. Teilweise ist der Weg schwierig auszumachen und wir stehen einige Male ein Stück neben dem Weg. Aber nach einer guten dreiviertel Stunde treffen wir auf den DNT Wanderweg der von Svukuriset nach Røvollen führt.

Jetzt geht es auch erstmal nur noch bergab und ein kurzes Stück ist der Weg auch breit und super zu laufen. Aber leider hält das nicht sehr lange und bald schon stiefeln wir wieder über Geröll. Egal, dafür ist die Aussicht immer noch fantastisch und gleicht den miesen Untergrund mehr als aus.

Vor uns breitet sich eine Seenlandschaft aus. Dort führt der Weg am Røvoltjønnan zum Nedre Roasten. Kaum an den Seen angekommen, wird der Untergrund weich und torfig und jeder Schritt schwingt auf nach. Was für ein krasser Kontrast zu dem Geröll von eben. Jedoch nicht unbedingt besser. Nadine moniert das sie nasse Füsse bekommt, da Ihre Hanwags langsam das zeitliche segnen und von Wasserdichtigkeit kann nicht mehr ganz so die Rede sein.

An der Weggabelung die von Haugen auf unseren Weg stößt, machen wir nochmal kurz Pause und verschnaufen.

Die nächsten zwei Kilometer stehen nun wieder im krassen Kontrast zu dem torfigen Untergrund von eben. Denn es wird wieder, NA? Genau, steinig. Teilweise sind die Brocken in diesem lichten Kiefernwald groß wie ein SUV, oder haben Kiesel Format, aber dieser Anblick hat einfach etwas. Man fühlt sich schlagartig sehr klein und unbedeutend. Vor allem wenn man daran denkt wie dieses ganze Geröll hier her gekommen ist. Wir puzzeln uns durch diese absolut ausgedörrte Landschaft, die schon seit geraumer Zeit kein Wasser mehr zu sehen bekommen hat. Kleine Seen und Bachläufe sind ausgetrocknet. Also zelten ist hier schonmal nicht angesagt. Wir laufen weiter und arbeiten uns durch das Geröll einen Anstieg hinauf, bis wir oberhalb des Svartjønna stehen. Dort unten am Ufer kann man einen Lagerplatz ausmachen. Sich aber jetzt den Hang hinunter quälen und morgen wieder hinauf ist auch Sinnlos. So laufen wir über diesen Huckel hinweg und steigen auf der anderen Seite Geröll lastig wieder ab.

Kurz vor der Brücke über die Røa finden wir einen Lagerplatz. Aber bis zur Røvollen DNT ist es nur noch ein Katzensprung. Wir passieren die Brücke und ein letztes Blockfeld und stehen wieder in dichten Kiefernwald und auf einem Genusswanderweg. Den letzten Kilometer schleichen wir vor uns hin und saugen genüsslich die Waldluft in uns ein. Dann kommt auch schon die Weggabelung die nach Røvollen und weiter nach Ljøsnåvollen führt. Dann stehen wir auch vor den Røvollen Hütten, die in einer Lichtung im Wald angelegt sind.

Beim Haupthaus dampft es aus dem Kamin und wir freuen uns das die Hütte schon vorgewärmt wurde. Vor der Türe werden wir auch direkt von einem Norweger begrüsst, der sogleich seinem Kumpel bescheid gibt das noch Wanderer kommen.

Wir krabbeln aber erst einmal auf den nächsten Hügel und buchen uns über ut.no ein Zimmer. Seit 2020 müssen DNT Hütten im Vorfeld online gebucht werden um zu vermeiden, das die Hütten überbelegt werden durch Corona. Es gibt schlimmeres als das. Das Zimmer ist schnell gebucht und wir entscheiden uns direkt hier zwei Ruhetage einzulegen, da wir zu schnell unterwegs waren. Eigentlich sollten wir erst morgen hier eintreffen und dann einen Ruhetag halten. Nadine wird schon nichts dagegen haben. Den Abend lassen wir mit Single Malt, Rotwein und Aquavit vor dem Ofen mit den beiden Männern ausklingen. Es wird ein sehr kurzweiliger Abend mit guten Gesprächen über das wandern.

Den nächsten Tag brechen die beiden Männer früh auf. Sie wollen es heute noch bis nach Elgå am Femunden schaffen. Wir für unseren Teil machen uns einen ruhigen und gehen nach dem Frühstück und viel Kaffee hinunter zu Røa. Ich will etwas angeln und Nadine möchte den Biber suchen, der hier heimisch sein soll. Am Nachmittag sitzen wir mit frisch gebackenen Pancakes vor der Hütte. Angebissen hat nichts, da die Wasserstände sehr niedrig sind und den Biber hat Nadine auch nicht gesehen.

Am nächsten Tag geht es dem Wanderweg nach, hinunter zum Femunden. Der Wetternericht sagt für die kommenden Tage ordentlich Regen und Wind an und die Route nach Muggsjølia soll den beiden Männern nach sehr Geröll lastig und Anstrengend sein. Bei Regen muss es nicht unbedingt den ganzen Tag über Geröll gehen. Daher wollen wir schauen ob es evtl entlang des Ufers des Femunden eine Möglichkeit gibt zur Nordvika abzukürzen. Als wir an der Brücke über die Røa stehen, werfen wir die Idee über Bord. Das gesamte Gelände hier unten Richtung See ist komplett verblockt und hier müsste man klettern. Also morgen über Muggsjølia. Wir machen hier unten aber eine sehr lange Pause, ziehen die Schuhe aus und legen uns ins hohe Gras und lassen es uns in der Sonne gut gehen. Zwischendurch versuche ich mich wieder am fischen, aber Fehlanzeige. Am Nachmittag sind wir wieder an der Røvollen. Wir bauen das Zelt vor der Hütte auf um es einmal zu säubern und komplett durchzutrocknen und waschen die Wäsche. Ausserdem will ich noch Brot für die nächsten beiden Wandertage backen. Ich schleppe die ganzen Tage schon Mehl, Hefe und Speck mit mir rum.

Am frühen Abend läuft noch der Hüttenwart mit seinem Sohn ein. Die beiden beziehen direkt das Annex und kommen immer wieder mal zum quatschen zu uns. Als die Dunkelheit einbricht verziehen die beiden sich in das Nebengebäude. Wir bleiben im Hauptgebäude allein.

Fortsetzung folgt…

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